Die with Dignity
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Die with Dignity – StartſeiteMuſikproben (koſtenloſer Download)DJ Broszat ſprichtImpreſſum und Kontaktmöglichkeiten

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Anti-Corroſive, Zeitſchrift für Induſtrial-Kultur, befragt DJ Broſzat

DJ Broſzat in ſeinem Studio

AC: Wenn ich vielleicht mit einer perſönlichen Frage beginnen darf...: Wie heißt Du eigentlich mit richtigem Namen? Doch ſicherlich nicht wirklich »DJ Broſzat«, oder? Ich frage, weil ich beim Studium der Internet-Seiten von Die with Dignity den Eindruck bekomme, daß Ihr ein unglaubliches Geheimnis und Getue aus Euren Namen macht. Die Zeitſchrift Drex zitierte kürzlich ſogar Euren Baſſiſten Brenner mit der Behauptung, Ihr ſeiet eigentlich Isländer, und Dein richtiger Name ſei »Broſzatsſon«...

DwD: Nein nein, alles Quatſch, weißt Du, das war reiner Selbſtſchutz, um endlich auch wieder einmal an einem Bahnhof auf einen Zug warten zu können, ohne bald darauf von Fans umringt zu ſein. (Dann heißt es ſofort wieder »Perſonen auf dem Gleis«, und der geſamte Zug-Betrieb iſt lahmgelegt.) Eigentlich heiße ich »Broſzat«, aber verrate es bitte nicht weiter. Weißt Du, mit ſo einem Namen könnte ich doch direkt einpacken in der »ſchwarzen Szene«, da war ein Künſtler-Pſeudonym geradezu zwingend.

AC: Nun biſt Du ja eigentlich eines der drei Gründungsmitglieder der legendären Ambient-Punk-Band Die with Dignity. Wie kam es denn nun eigentlich, auch für Eingeweihte überraſchend, dazu, DwD nun ſozuſagen als Solo-Projekt, alſo ohne Brenner und Repgen, fortzuführen?

DwD: DwD waren ſchon immer künſtleriſch ſehr ambitioniert, geradezu elitär. Die Demo-Aufnahmen 2006 ſollten nun ganz beſonders perfekt werden. Brenner verbringt nun ganze Wochen und Monate mit Archivieren und Katalogiſieren ſeiner Baß-Gitarren-Sammlung, und Repgen holt ſich Inſpirationen für neue Gitarrenriffs bei Aborigines in Auſtralien. Aber wer weiß, vielleicht tauchen ſie ja auch irgendwann wieder auf, und dann machen wir wieder als Drei-Mann-Band weiter...!? Was ſoll's, uns drängt doch keiner...!

AC: Wie ging es daraufhin weiter?

DwD: Ich konnte mir zunächſt noch nicht vorſtellen, ſo ganz auf mich allein geſtellt das gewohnte Komplexitäts-Niveau halten zu können, verſuchte mich als Gaſt-Elektroniker in verſchiedenen Underground-Bands, hielt es aber nirgendwo lange genug aus, als daß es jetzt noch erwähnenswert wäre. Alſo, zum Beiſpiel waren da dieſe verrückten fünf Leute aus Unterhaching, nannten ſich »Die Gotik-Buam«. Ich machte bei zwei Stücken mit, »Oans zwoa G'ſuffa« und »Doa legs di nieder«; letzteres hatte ſchon ſo einen ziemlichen erotiſchen Hintergund, kann ich Dir ſagen... Nun, als es dann doch nicht zur Single-Veröffentlichung der Stücke kam, weil die Plattenfirma noch unbedingt zwölf Remixe von Weſtbam und Paul van Dyk verlangte, auf unſere Koſten, verſteht ſich, ſtieg ich dann direkt wieder aus. Ein paar Song-Ideen von »Oans zwoa G'ſuffa« habe ich dann kürzlich in meinem Werk »Glasfaſer« wiederverwendet.

Dann war da dieſe Neo-Folk-Kapelle, »HeideKraut«... Ich ſollte hierbei die Lärm-Paſſagen übernehmen, Gunter ſpielte Wander-Harfe und Ukulele und ſang dazu. Irgendſo ein Quatſch über Donecz-Keſſel, habe ich nie ſo recht verſtanden... Gunter (ein Künſtler-Pſeudonym, übrigens, er hieß eigentlich Yildirim) verſicherte mir aber, das ſei moderne Kunſt und echt »in«. Als ich ſchon bei erſten Probe-Gigs den Eindruck hatte, daß beim Publikum immer nur Armee-Tarnanzüge und finſter-entſchloſſene Minen vorherrſchten, nie aber Party-Stimmung aufkam, fühlte ich mich deplaciert und ſtieg wieder aus.

Nun, kurz geſagt, ich fand einfach keine Band, die meine Vorſtellungen und Arbeitsweiſe teilte. Dabei hatte ich mich ſogar auch einmal einem Induſtrial-Projekt angeſchloſſen, »ISO 9000« hieß es, glaube ich. Ich hätte ſchon beim erſten Vorſtellungsgeſpräch ſtutzig werden ſollen, als der Band-Sprecher, Thorſten, mich nach meinen Kenntniſſen im Programmieren von Java-Beans fragte. Bei den Arbeiten ſchon am erſten Stück »Überwurfmutter« verſagte ich völlig. Thorſten ſagte mir, ich ſolle hierfür den Baß-Lauf gemäß folgendem Struktogramm auf einem CS7000er Digital-Signalling-Proceſſor in Aſſembler-Code programmieren. Ich war wie vor den Kopf geſchlagen und fragte, wo ich denn 'mal ſo richtig ſolo-mäßig abgehen könnte, ſo mit endloſen Feedbacks und Waſſerpfeife läſſig im Mundwinkel und ſo... Er verſtand gar nicht, wovon ich redete, erwiderte, es gehe nicht um 'Abgehen', ſondern um Maſchinenklänge für eine moderne tanzende Jugend. Daraufhin quittierte ich auch dieſen Job und entſchied, ganz allein auf mich geſtellt weiterzumachen.

Ich meine, ich bereue nichts, es waren für mich wichtige zehn Monate. Ach ja, da fällt mir ein, ich hatte ſogar einmal eine Einladung als Gaſt-DJ in einer Diſco in Süddeutſchland, von DJ Blutgier. Es gab dort einen »Lack-und-Leder-und-Gummi-Conteſt« im Rahmen ſeiner Party »Vicious Obſeſſions«, und um nicht als Spielverderber dazuſtehen, habe ich auch daran teilgenommen. Na jaaaa, gewonnen hat dieſen Conteſt dann aber irgend ſo ein Mädel, irgendwie unfair, ſchließlich hatte die doch viel viel weniger Lack/Leder/Gummi an als ich...

DJ Broſzat beim Probeankleiden zum »Lack-und-Leder-und-Gummi-Conteſt« 2000 im Rahmen von »Vicious Obſeſſions«

AC: Und was ſind nun Deine nächſten Pläne als Die with Dignity...?

DwD: Ich denke, ich werde es ruhig angehen, die Wirkung einiger meiner Werke zunächſt einmal per Internet anteſten, dann werden wir 'mal ſehen... Ich habe keine Eile, muß mir und niemandem mehr etwas beweiſen...

AC: Wird es dich als DwD auch live zu ſehen geben?

DwD: Nein, ich denke nicht. Konzerte ſind doch im Grunde nur noch Mühſal. In den 70er Jahren, bei Bands nur mit Schlagzeug, 2 E-Gitarren, Baß-Gitarre und Geſang, ging das ja vielleicht noch, außerdem galten damals Konzerte als weſentliches Merkmal von »Muſizieren« ſchlechthin, aber heutzutage? Da ſchleppſt Du tonnenweiſe analoges Equipment auf die Bühne, auf eigene Koſten, verſteht ſich, verkabelſt Dich blöd, hängſt vorſchriftsmäßig dieſe gelben »Achtung Hochſpannung!«-Schilder an alle Röhrenoſzillatoren, fängſt Dir dennoch böſe Blicke vom TÜV ein, und vor Dir ſteht dann ein Publikum aus Leuten, die Dir Zigarettenqualm in die Potentiometer all Deiner wertvollen Geräte blaſen und enttäuſchte Geſichter machen, wenn es nicht ſo laut iſt, daß die Trommelfelle quer durch's Gehirn gepumpt werden.

AC: McBroſzat, wir danken für's Geſpräch und wünſchen DwD alles Gute für die Zukunft!

© Juni 2001/Oktober 2009, gawl (Ralf Gawliſta). Alle Rechte vorbehalten.

Die with Dignity
Hits'n'Hots, 2009
Anti- Corroſive, 2001